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Fachkräftemangel in der Pflege: Das Wichtigste in Kürze
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Der Personalmangel in der Pflege ist keine Zukunftsprognose, sondern bittere Realität. Laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit waren im Oktober 2024 jeweils rund 17.000 gemeldete offene Stellen in der Alten- und Krankenpflege registriert.
Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Kranken- und Altenpflege ist in den vergangenen zehn Jahren von rund 1,5 auf etwa 1,85 Millionen gestiegen, so das Deutsche Ärzteblatt. Das klingt nach einem positiven Trend, doch der Zuwachs reicht bei weitem nicht aus, um den steigenden Bedarf zu decken. Denn ein großer Teil der Pflegekräfte arbeitet in Teilzeit:
Die Arbeitsmarktreserve in der beruflichen Pflege sinkt gemäß Deutschem Pflegerat bundesweit drastisch, von 2,0 % im Jahr 2025 auf nur noch 1,0 % bis 2027. Das bedeutet: Der ohnehin dünne Puffer an verfügbaren Pflegekräften schmilzt in den kommenden zwei Jahren auf die Hälfte zusammen.
Der Blickpunkt Arbeitsmarkt der Bundesagentur für Arbeit (Mai 2025) zeigt ein strukturelles Ungleichgewicht. Die gemeldeten Stellen in der Altenpflege lagen rund 10 % bzw. knapp 4.000 Stellen unter dem Vorjahreswert. Das Mismatch-Problem wird besonders greifbar, wenn man Angebot und Nachfrage nach Qualifikationsniveau vergleicht:
Laut BA-Statistik verfügen nur 11.000 bzw. 20 % der Arbeitslosen in der Altenpflege über eine Qualifikation als Pflegefachkraft. Gleichzeitig übersteigt die Zahl der arbeitslosen Pflegehilfskräfte (43.000) das Stellenangebot auf Helferniveau (9.000) erheblich. Es fehlen also nicht einfach „Leute in der Pflege“, es fehlen gezielt examinierte Fachkräfte.
Die Prognosen sind alarmierend. Schon bis 2035 werden laut einer Studie von PwC allein in der Gesundheits- und Krankenpflege rund 288.800 Stellen unbesetzt sein. Das entspricht einem Engpass von über 35 % – mehr als jede dritte Stelle bleibt unbesetzt.
Und der Blick in die weitere Zukunft macht es nicht besser: Das Statistische Bundesamt prognostiziert, dass bis 2049 der Gesamtbedarf an Pflegekräften auf etwa 2,15 Millionen ansteigen wird, getrieben durch eine alternde Gesellschaft und steigende Pflegebedürftigkeit.
Der Mangel wächst schneller, als er gedeckt werden kann – es sei denn, es wird jetzt gehandelt. Wer auf eine Selbstregulierung des Marktes hofft, wird enttäuscht werden. Ohne strukturelle Maßnahmen verschärft sich die Lage Jahr für Jahr.
Der demografische Wandel trifft die Pflege mit doppelter Wucht. Auf der einen Seite steigt die Zahl pflegebedürftiger Menschen durch die alternde Bevölkerung rasant an. Auf der anderen Seite gehen die Pflegekräfte selbst in Rente, während zu wenig Nachwuchs nachrückt.
Die Babyboomer-Jahrgänge treten nun massenhaft in den Ruhestand. In der Pflege ist dieser Ersatzbedarf besonders hoch, weil der Beruf körperlich so fordernd ist, dass viele Pflegekräfte bereits vor dem regulären Rentenalter ausscheiden oder in weniger belastende Tätigkeiten wechseln.
Das Durchschnittsalter der Beschäftigten im Gesundheitswesen liegt bereits bei 46,3 Jahren und damit deutlich über dem branchenweiten Schnitt von 44 Jahren. Bis 2035 wird dieser Wert auf 51 Jahre steigen, so PwC. Die Belegschaft altert also schneller als in anderen Branchen.
Pflegeberufe gehören zu den anspruchsvollsten Tätigkeiten überhaupt. Schichtarbeit, Wochenend- und Nachtdienste sind kein Ausnahmefall, sondern Dauerzustand. Dazu kommt die emotionale Belastung durch die tägliche Nähe zu Leid, Tod und belasteten Angehörigen. Die PwC-Studie belegt das eindrücklich:
Bei potenziellen Nachwuchskräften ist die Furcht vor der psychischen Belastung mit 62,5 % sogar noch ausgeprägter als die Sorge vor der körperlichen (57,2 %).
Der hohe Krankenstand in der Pflege ist die logische Folge und zugleich ein Teufelskreis: Weniger Personal führt zu mehr Belastung für die verbliebenen Kräfte, was wiederum zu mehr Ausfällen und noch größerem Personalmangel führt.
Das Gehalt von Pflegekräften steht nach wie vor in keinem angemessenen Verhältnis zur Verantwortung und Belastung. Das durchschnittliche Bruttomonatsgehalt für Pflegefachkräfte in Deutschland liegt 2026 bei ca. 3.500 (Einstiegsgehalt) bis 4.300 €. Auch wenn der aktuelle TVöD-P zwar ab Mai 2026 eine Erhöhung von 2,8 % vorsieht, ist das für einen Beruf mit Schichtdienst, Wochenendarbeit und der Verantwortung für Menschenleben zu wenig.
Der Nachwuchs für die Pflege wird knapper und das trotz aller politischen Bemühungen. Laut Destatis haben 2025 rund 64.300 Auszubildende einen neuen Ausbildungsvertrag zur Pflegefachfrau bzw. zum Pflegefachmann abgeschlossen. Das sind zwar etwa 8 % mehr als im Vorjahr, doch leider gibt es immer mehr Ausbildungsabbrüche.¹ Rund 30 % der Azubis in der Pflege lösen ihre Ausbildungsverträge vorzeitig auf, berichtet die Tagesschau. Von denjenigen, die sich für die Pflegeausbildung entscheiden, kommt fast ein Drittel nicht am Ende an.
¹ Tanja Röttger (18. September 2024). Ausbildungsabbrüche in der Pflege: Zu hohe Anforderungen oder zu schwache Schüler? Bildung – Mensch – Medien. Abgerufen am 22. März 2026 von https://doi.org/10.58079/12bev
Die Rahmenbedingungen im Pflegesystem verschärfen den Personalmangel zusätzlich. Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser stehen unter massivem Finanzierungsdruck durch Kranken- und Pflegekassen. Die Budgets sind eng, Spielräume für bessere Bezahlung oder zusätzliche Stellen gering.
Gleichzeitig frisst die Bürokratiebelastung wertvolle Arbeitszeit: Pflegekräfte verbringen einen erheblichen Teil ihres Arbeitstages mit Dokumentation statt mit der eigentlichen Patientenversorgung. Das frustriert und verstärkt das Gefühl, nicht das tun zu können, wofür man den Beruf ergriffen hat.
Mangelnde Investitionen in Digitalisierung und moderne Arbeitsmittel kommen hinzu. Während andere Branchen längst auf digitale Prozesse umgestellt haben, arbeiten viele Pflegeeinrichtungen noch mit veralteten Strukturen. Die Menschen, die trotzdem bleiben, tun das oft aus Pflichtgefühl und nicht, weil die Rahmenbedingungen stimmen.
Der Personalmangel in der Pflege hat direkte Konsequenzen für die Menschen, die auf Pflege angewiesen sind. Wartezeiten auf Pflegeplätze verlängern sich und Pflegeheime verhängen Aufnahmestopps. Der Arbeitgeberverband Pflege warnte im Pflege-Jahresausblick 2025 sogar davor, dass Deutschland zum „Land der Wartelisten“ wird.
In Krankenhäusern müssen Betten gesperrt werden, weil nicht genug Pflegepersonal für eine sichere Versorgung vorhanden ist. Planbare Operationen werden verschoben und die Qualität der Versorgung leidet, wenn Pflegekräfte mehr Patienten gleichzeitig betreuen müssen, als es die Standards vorsehen.
Für Patienten und Angehörige bedeutet das: weniger Zeit pro Pflegekontakt, weniger individuelle Zuwendung und ein System, das zunehmend an seine Grenzen stößt. Der Pflegenotstand betrifft damit die gesamte Gesellschaft ganz direkt und persönlich.
Für die Pflegekräfte selbst ist der Personalmangel eine tägliche Belastungsprobe. Überlastung und Burnout führen zu frühzeitigen Berufsausstiegen, die den Mangel weiter verschärfen. Der DAK-Gesundheitsreport 2026 zeigt, dass der Krankenstand in Krankenhäusern und Pflegeheimen mit 6,2 % die meisten Fehltage aufweist.
Mindestens ebenso schwer wiegt die fehlende Anerkennung. Der anfängliche Idealismus, der viele Menschen in die Pflege gebracht hat, geht mit den Jahren verloren: Lediglich 28,4 % der erfahrenen Kräfte stimmen noch der Aussage zu, dass man in Gesundheitsberufen Menschen helfen kann, so eine Umfrage von PwC. Die Wechselbereitschaft ist entsprechend hoch: Nur jeder Dritte plant, bis zur Rente im Beruf zu bleiben.
Für Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser hat der Personalmangel unmittelbare wirtschaftliche Folgen. Die steigende Abhängigkeit von Zeitarbeitskräften treibt die Personalkosten in die Höhe, denn Leiharbeit in der Pflege ist deutlich teurer als Stammpersonal.
Im Schnitt dauert es in der Krankenpflege inzwischen 269 Tage und in der Altenpflege 296 Tage, um eine offene Stelle zu besetzen. Gleichzeitig steigt die Zahl der arbeitslos gemeldeten Pflegekräfte paradoxerweise an: 40.000 in der Altenpflege, 20.000 in der Krankenpflege. Der Großteil davon verfügt allerdings nur über eine Helferqualifikation und kommt für die offenen Fachkraftstellen nicht infrage.²
Für kleinere Einrichtungen kann diese Spirale zur wirtschaftlichen Existenzbedrohung werden, wenn die Kosten für Zeitarbeit die ohnehin knappen Budgets sprengen und gleichzeitig die Qualität der Versorgung leidet. Einrichtungen, die für Unterbesetzung und Überlastung bekannt sind, haben es noch schwerer, qualifiziertes Personal zu gewinnen.
² https://www.aerzteblatt.de/news/offene-stellen-in-der-pflege-bleiben-monatelang-unbesetzt-ab1cfb26-1e15-4dae-b632-5735d07e969c
Die wirksamste Maßnahme gegen den Pflegekräftemangel ist zugleich die naheliegendste: Die Arbeitsbedingungen müssen besser werden. Verlässliche Dienstpläne, bessere Schichtmodelle und eine tatsächliche Begrenzung der Überstunden sind Grundvoraussetzungen, die viele Einrichtungen noch nicht erfüllen.
Hinzu kommt der dringende Abbau von Bürokratie und Dokumentationspflichten, damit Pflegekräfte ihre Zeit für das nutzen können, was sie eigentlich tun wollen: Menschen pflegen. Investitionen in digitale Hilfsmittel spielen dabei eine zentrale Rolle. Die PwC-Studie zeigt:
Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser müssen aktiver werden, wenn es darum geht, junge Menschen für den Pflegeberuf zu begeistern. Kooperationen mit Schulen und Berufsschulen schaffen frühe Berührungspunkte und räumen mit Vorurteilen auf.
Die Ausbildungsvergütung muss so gestaltet sein, dass sie im Vergleich zu anderen Ausbildungsberufen wettbewerbsfähig ist. Und Quereinsteiger aus anderen Branchen müssen gezielt angesprochen und qualifiziert werden, denn gerade Menschen, die bereits Lebenserfahrung und soziale Kompetenz mitbringen, können in der Pflege einen echten Mehrwert leisten.
Laut BA-Statistik könnte zudem die Weiterbildung der hohen Zahl an arbeitslosen Pflegehilfskräften zur Reduzierung des Fachkräftemangels beitragen. Allein 43.000 Arbeitslose mit Helferqualifikation stehen einer überschaubaren Zahl von 9.000 Helferstellen gegenüber. Hier liegt ein konkretes Qualifizierungspotenzial.
Die PwC-Studie bestätigt: Weiterbildungsmöglichkeiten sind ein wichtiger Faktor bei der Berufswahl. 47,5 % der erfahrenen Kräfte und 54,7 % der potenziellen Nachwuchskräfte halten Weiterbildung für sehr wichtig.
Auch die internationale Fachkräftegewinnung wird zunehmend wichtiger. Das Beispiel der Charité Berlin zeigt, wie es funktionieren kann: Dort wurden 13.000 Beschäftigte für die Pflege aus dem Ausland erfolgreich angeworben und integriert, mit Sprachförderung, Integrationsprogrammen und Unterstützung bei der Wohnungssuche und Behördengängen. |
In der Pflege entfalten finanzielle Zusatzleistungen eine besonders starke Wirkung. Jeder Euro, der netto mehr auf dem Konto landet, macht einen spürbaren Unterschied. Steuerfreie Sachbezüge sind dabei ein unkomplizierter Hebel, der sowohl dem Arbeitgeber als auch den Pflegekräften finanzielle Vorteile bietet. Seit dem 01.01.2022 sind Sachbezüge bis zu 50 € monatlich nach § 8 Abs. 2 Satz 11 EStG steuerfrei und sozialabgabenfrei – auch für Tarifbeschäftigte im TVöD (§ 18a TVöD).
Der Arbeitgeber spart im Vergleich zu einer Bruttolohnerhöhung bis zu 20 % Lohnnebenkosten und die Pflegekraft erhält bis zu 50 % mehr Netto als bei einer klassischen Gehaltserhöhung.
Für Pflegekräfte besonders relevante Leistungen sind:
Die All-in-One-Plattform von become.1 macht es Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern einfach, ein steuerlich optimiertes Benefits-Paket anzubieten, ohne zusätzlichen HR-Aufwand. Alles läuft über eine zentrale Plattform, rechtssicher und DATEV-integriert.
Pflegekräfte wählen ihre Benefits selbst per App aus, ob Sachbezugskarte, Gesundheitsbonus, Essenszuschuss oder KiTa-Zuschuss. Das System ist kompatibel mit TVöD-Regelungen (§ 18a) und damit auch für den öffentlichen Dienst einsetzbar.
Das Ergebnis ist mehr Netto für Pflegekräfte, ohne höhere Lohnkosten für den Arbeitgeber. Eine Win-win-Situation, die gerade in der Pflege den entscheidenden Unterschied machen kann.
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Digitale Technologien können Pflegekräfte spürbar entlasten, etwa durch automatisierte Dokumentation, digitale Dienstplanung und technische Assistenzsysteme. Eine vollständige Lösung des Pflegekräftemangels ist Digitalisierung allein allerdings nicht, denn die menschliche Zuwendung und das fachliche Urteilsvermögen einer qualifizierten Pflegekraft lassen sich nicht automatisieren. Digitalisierung ist ein wichtiger Baustein, muss aber durch bessere Arbeitsbedingungen, höhere Vergütung und echte Wertschätzung ergänzt werden.
Der Fachkräftemangel in der Pflege beschreibt die strukturelle Situation, dass dauerhaft mehr qualifizierte Pflegekräfte gebraucht werden als verfügbar sind. Der Pflegenotstand ist die zugespitzte Form dieses Mangels, bei der die Unterbesetzung so gravierend wird, dass unmittelbare Versorgungsrisiken für Pflegebedürftige und Patienten entstehen, etwa wenn Krankenhäuser Betten sperren müssen oder Pflegeheime Aufnahmestopps verhängen. Viele Regionen in Deutschland befinden sich bereits im Pflegenotstand.
Gegen den Pflegenotstand hilft folgendes:
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